Biographie

Karl Grohmann wurde am 24. Juli 1918 in Wien als achtes von zehn Kindern geboren. Sein Vater Leopold war Fleischermeister, seine Mutter Josefine, Hausfrau. Karl Grohmann wuchs in einer Altbauwohnung in der Baumgasse 54 im 3. Bezirk auf. Nach der Grundschule in der Erdbergstrasse besuchte er die Lehrerbildungsanstalt Strebersdorf, wo er im Jahr 1937 mit Auszeichnung maturierte. Gleich nach der Matura absolvierte er den Dienst beim Bundesheer und wurde dort in den ersten Monaten von der Deutschen Wehrmacht übernommen. Der zweite Weltkrieg führte ihn nach Deutschland, Polen und Frankreich und von dort bis nach Russland. 1942 wurde er in Stalingrad von einem Panzer angeschossen und erlitt eine Verletzung am linken Knie. Die Ärzte wollten sein krankes Bein amputieren, doch Karl Grohmann widersetzte sich diesem Eingriff und so behielt er zwar nach einer mehrstündigen Operation in einem Feldlazarett seinen Fuß, konnte ihn auf dieser Seite aber nicht mehr abbiegen. Karl Grohmann hatte Zeit seines Lebens ein steifes Knie.

Noch während des Krieges im Jahr 1943 heiratete er seine langjährige Brieffreundin Elisabeth Grohmann (geborene Bruhn). Vom Krieg kehrte Karl Grohmann als Oberleutnant im Jahr 1945 nach Österreich zurück. Aufgrund seiner Ehe mit Elisabeth, die deutsche Staatsbürgerin war, zog er nach Schönberg-Mecklenburg und arbeitete dort als Rektor der Gesamtschule.

1948 übersiedelte er gemeinsam mit seiner Frau nach Wien, um als Hauptschullehrer an mehreren Wiener Schulen zu unterrichten. Daneben begann er mit dem Studium der Germanistik, Psychologie und Pädagogik an der Universität Wien und schloss außerdem alle Lehramtsprüfungen für Volksschulen, Hauptschulen, Höheren Schulen und für Sonderschulen ab. Er absolvierte ein dreijähriges Praktikum an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Neurologie der Universität Wien beim renommierten Wiener Psychiater Hans Hoff. Am 7. Juli 1957 promovierte er zum Doktor der Philosophie. Neben seiner Arbeit als Lehrer gründete er eine kleine psychologische Praxis in der Hauslabgasse 31, im 5. Bezirk.

Im Januar 1964 wurde das OECD-Planungsbüro gegründet: es war im Stadtschulrat für Wien angesiedelt, in der Favoritenstrasse 15 im 4. Bezirk, in den Räumen der heutigen Privatschule Theresianum. Karl Grohmann wurde ins Planungsteam des OECD-Projektes „Bildungsplanung und Wirtschaftswachstum in Österreich“ geholt.

1966 übernahm das Bundesministerium für Unterricht und Kunst das OECD-Planungsbüro und so übersiedelte das Team in größere Büros in die Wallnerstrasse 8 in den ersten Wiener Gemeindebezirk, einige Zeit später dann in die Türkenstrasse 4 in den neunten Bezirk. Karl Grohmann trat in den Bundesdienst ein und wurde „Sektionsrat“. Von 1970 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1982 war er Leiter der Wissenschaftlichen Abteilung für Bildungsstatistik im Bundesministerium für Unterricht und Kunst und erhielt den Titel „Ministerialrat“.Dies war eine führende Position im Ministerium und er wurde intern  von den jeweiligen Ministern zum Master Mind des ganzen Ministeriums, einem Chefstrategen, wegen seiner Verhandlungsfähigkeiten gemacht, denn Karl besass das beste Verhandlungsgeschick. Im Jahr 1976 heiratete er seine zweite Frau, Christine Grohmann (geborene Podoschek).

Nach seiner Pensionierung führte er noch intensive Gespräche mit dem damaligen Präsidenten des Wiener Stadtschulrates und SPÖ-Bildungspolitiker, Dr. Hermann Schnell, und schlug ihm vor, „Eignungsprüfungen für Lehramtskandidaten“ durchzuführen. Doch in Anbetracht der damaligen politischen Situation wurde dieses Projekt leider nie realisiert. Interessant erscheint, dass 30 Jahre später im Jahr 2010 die Politik die Grohmann´sche Idee wieder interessiert diskutiert und sogar überlegt, diese durchzuziehen.

Mit der Pensionierung im Jahr 1982 ging Karl Grohmann jedoch seiner eigentlichen Passion, der Psychologie, nach. Er baute seine psychologische Praxis weiter aus, wurde zum europäischen Experten für Kinder- und Jugendpsychologie sowie für klinische Psychologie und hat zahlreichen Menschen aus dem In- und Ausland geholfen. Er galt als Kapazität in seinem Fachbereich und blieb Zeit seines Lebens ein bescheidener Mann. Für die Anliegen seiner Patienten hatte er zu jeder Tages- und Nachtzeit ein offenes Ohr, war jederzeit erreichbar: egal ob in den Ferien, zu mitternächtlicher Stunde oder zu den Feiertagen. Karl Grohmann war ein Humanist und half gerne. Er war mehr der Zuhörer und Beobachter, doch wenn er sprach, hatten seine Worte „Hand und Fuß“, hatte er das Problem in all seinen Facetten analysiert und er lieferte bereits die Lösung. Deshalb wurde er von seinen Patienten so sehr geschätzt. Sein Wort zählte, denn er war eine Autorität in seinem Bereich. Er hatte ein unglaublich breites Netzwerk, dass sich zwischen dem Stadtschulrat, der Politik und Wirtschaft, der Lehrer und Direktorenschaft quer durch ganz Österreich spannte, aber auch über die Grenzen hinaus nach Bayern, Berlin, Paris, Liechtenstein, Zürich. Karl Grohmann war einer dieser außergewöhnlichen Ärzte, die an das Wohl der Menschen glaubte und der auch in der Lage war, ihnen zu helfen.

1981 brachte er gemeinsam mit seinem besten Freund, dem Direktor der Pädagogischen Akademie in Wien, Dr. Franz Beer, zwei Ausgaben des Bestsellers „Schüler-Konditionstraining (Oldenburg-Verlag Wien-München) heraus. Ihr Buch soll Kindern wieder mehr Selbstsicherheit beim Lernen vermitteln.

Karl Grohmann war ab diesem Zeitpunkt oft in Fernseh- und Radiosendungen Gast als Experte für „Lernen, Lerntricks, Schulangst, Prüfungsangst“ .

Im österreichischen Fernsehen hatte Karl Grohmann in den 1980er-Jahren eine eigene – sehr erfolgreiche – 12-teilige Serie im vielgesehenen ORF-Nachmittagsmagazin Wir unter dem Titel: „Wir verrät Lerntricks: Lerntipps für Schüler ab dem 12 Jahr„. Im Rahmen dieser Serie traten etliche seiner damaligen Schützlinge und ihre Eltern in kurzen Episoden als Schauspieler auf, um zu demonstrieren, wie Kinder die Schule, die Angst vor der Prüfung oder vor dem Lehrer erleben und auch bewältigen können, um wieder konzentriert und effizient zu lernen. Auch das Zusammenspiel zwischen Eltern und Schülern wurde sehr anschaulich dargestellt.

Ab dem Jahr 1987 arbeitete er regelmässig an der von Peter-Michael Lingens herausgegebenen Schülerzeitung „KLEX , die 1. Österreichische Kinderzeitung für Politik, Wirtschaft und Kultur“ mit.

Seit dem Jahr 2000 war Karl Grohmann im wohlverdienten Ruhestand. Viele seiner Patienten aus dem In- und Ausland, ebenso wie deren Kinder und Kindeskinder, haben bis zuletzt Kontakt zu ihm gehalten. Karl Grohmann verstarb am 29. Juli 2013 in Wien in den Armen seiner Frau Christine. Der Lehrer für Väter, wie ihn der Österreichische Journalist Peter-Michael Lingens einmal nannte, wurde 95 Jahre alt.

Zu den wichtigsten österreichischen Auszeichnungen, die Karl Grohmann erhalten hat, zählen:

  • Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
  • Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst erster Klasse
  • Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst zweiter Klasse
  • Bundesehrenzeichen erster Klasse
Advertisements

Veröffentlicht Juni 10, 2010 von Judith Grohmann

%d Bloggern gefällt das: